Menü
Laufzeit: 04/2001 bis 12/2002
Standort: Grotrian-Steinweg-Straße 12, 38112 Braunschweig
Themen: Neubau von Einzelgebäuden, Heizen, Lüften, Kühlen, Tageslicht & Beleuchtung, Abwärmenutzung, Solare Wärme, Solarstrom, Biomasse
Innovation: Produktion und Verwaltung sollen in der Jahresbilanz emissionsfrei mit Energie versorgt werden. Dieser Anspruch wurde nahezu erreicht.
Schlagworte:
Laufzeit: 04/2002 bis 12/2005
Standort: Am Exer 9, 38302 Wolfenbüttel
Themen: Neubau von Einzelgebäuden, Heizen, Lüften, Kühlen, Tageslicht & Beleuchtung, Abwärmenutzung, Solare Wärme, Solarstrom, Biomasse
Innovation: Produktion und Verwaltung sollen in der Jahresbilanz emissionsfrei mit Energie versorgt werden. Dieser Anspruch wurde nahezu erreicht.
Schlagworte:

Quintessenz

  • Primärenergetische Kennwerte für Fabrikgebäude sehr niedrig
  • Nullemission ist erreichbar
  • Außenliegendes Stahltragwerk reduziert beheiztes Luftvolumen um 15 Prozent
  • Abwärme der Versuchsstände für Heizkessel dient als Wärmequelle
  • Be- und Entladung der LKWs im Gebäude vermindert Lüftungswärmeverluste

Der Neubau von Produktion und Verwaltung eines der führenden deutschen Solarunternehmen setzt zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien. Konsequent energiesparend geplant liegt der Wärmebedarf von 23 kWh/m2a 80 Prozent unter den damaligen Anforderungen für einen konventionellen Industrieneubau nach WSchVo 95. Der noch verbleibende Primärenergiebedarf wird durch eine Kombination der Energiequellen Sonne und Biomasse gedeckt. In der Jahresbilanz lässt sich damit eine "Nullemissionsfabrik" realisieren. Das Gebäude wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet.

Projektkontext

Der Bauherr wollte die Produktion mit der Verwaltung unter einem Dach vereinen, mit dem Ziel ökonomischer Arbeits- und Produktionsabläufe und kurzen Kommunikationswegen. Komfortable Arbeitsplätze mit Tageslicht und durchgehend angenehme Innenraumtemperaturen sowie eine ansprechende Architektur aus umweltfreundlichen Baumaterialien standen ebenso auf der langen Wunschliste wie eine komplett regenerative Energieversorgung. Kurzum: der Neubau sollte Funktionalität, Ästhetik und Umweltfreundlichkeit vereinen. Doch das ganz große Ziel war die Nullemissionsfabrik, d. h. ein Gebäude, das in der Jahresbilanz keine CO2-äquivalenten Emissionen verursacht. Hierbei liefern regenerative Energien Wärme und Elektrizität.

In dem neuen Gebäudekomplex der Solvis GmbH sind Produktions- und Verwaltungsbauten vereint

© Solvis GmbH, C.Richters

Die Vorbauten zur Warenanlieferung in der Solvis-Fabrikanlage sind nie gleichzeitig geöffnet

© Solvis GmbH, C.Richters

Der neue Solvis-Gebäudekomplex in einer Luftaufnahme

© Solvis GmbH, C.Richters

Forschungsfokus

Mit der für die energetische Jahresbilanz formulierten Zielstellung "Nullemissionsfabrik" ergeben sich für die Betriebsphase einige Ansatzpunkte zur wissenschaftlichen Evaluierung der komplexen Energieversorgung in Verbindung mit einem energiesparenden Lüftungskonzept für die Produktion, unter Berücksichtigung der logistischen Anforderungen für den reibungsfreien Betriebsablauf. Weitere innovative Aspekte wie die Vakuumisolation an Teilen der Fassaden sollten auf Ihre Eignung für solche Gebäudetypen untersucht werden.

Konzept

Gebäudekonzept

Das Gebäude fasst alle Nutzungsbereiche in einem kompakten Baukörper zusammen. Markant ist das außen liegende Stahl-Tragwerk, das auch als Unterkonstruktion für die aktiven Solarsysteme dient. Der dadurch stützenfreie Produktionsbereich ist flexibel nutzbar. Zugleich ist das beheizte Luftvolumen um 15% reduziert. Aus Gründen der Lastabtragung und der thermischen Speicherfähigkeit sind der Flurbereich genauso wie die Wände der Büros aus Stahlbeton. Flachdächer und Wände der Fertigungshalle sind statisch optimierte, sehr gut gedämmte Leichtbauteile in Holzrahmenbauweise. Die Produktionshalle erhält Tageslicht über eine Vielzahl an Oberlichtern sowie zweifachverglaste Fensterbänder in der Fassade. Die Belichtung der Büros erfolgt über eine deckenhohe Dreifach-Wärmeschutzverglasung. Oberhalb der Sichtbereiche sind Licht streuende, satinierte Gläser eingesetzt. Die Öffnungsflügel sind vakuumgedämmte Holzpaneele. Lamellenjalousien, die im oberen Bereich Tageslicht umlenken, bieten einen kombinierten Sonnen- und Blendschutz.

Bereits vor Baubeginn konnte das Gebäude 2001 den Innovationspreis Architektur holen. Später folgten der Europäische Solarpreis, der Architecture & Technology Award und schließlich der Energy Globe.

Energiekonzept

Strom: Um den Energiebedarf des Gebäudes CO2-neutral zu decken, liefern ein Rapsöl-Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaik-Anlage Strom, deren Überschüsse ins Netz eingespeist werden. Die Kapazitäten der wirtschaftlich und statisch auf 600 m2 limitierten PV-Anlage setzen gleichzeitig die Grenzen für den maximalmöglichen, CO2-neutral zu deckenden Strombedarf auf 12,5 kWh/m2a.

Wärme: Das BHKW, die thermischen Solarkollektoren und die Abwärme der Versuchsstände für Heizkessel, die ebenfalls den Pufferspeichern zugeführt wird, decken den Wärmebedarf des Gebäudes. Weiterhin speichern die Tanks der Sprinkleranlage die Wärme der solarthermischen Anlage und wirken zugleich als Strahlungsheizung in der Halle. Auch die Abwärme aus der EDV-Zentrale dient im Winter zur unterstützenden Beheizung der Lagerhalle.

Die Hallen werden preiswert über die Lüftung mit Wärmerückgewinnung beheizt. Die Büros werden über einzeln regelbare Radiatoren beheizt. Ein zusätzliches Lüftungssystem in den Büros gewährleistet im Winter eine hohe Raumluftqualität und dient im Sommer der passiven Kühlung über Nachtlüftung. Es ist hier ein einfaches Abluftsystem mit Wärmerückgewinnung über eine Abluftwärmepumpe.

Das Kunstlicht wird automatisch tageslichtabhängig gedimmt. Die installierte Leistung beträgt 8 W/m2 für eine Nennbeleuchtungsstärke von 200 lux im Lager und 300 lux in der Produktion. Einzelne Bereiche haben zusätzliche Arbeitsplatzleuchten.

Konzept der Energieversorgung

© Solarbau Monitor

Performance

Durch bauliche und technische Maßnahmen wurde der Energieverbrauch auf 28,9 kWh/m2a (Wärme) bzw. 25,1 kWh/m2a (Strom gesamt) minimiert. Damit liegen die Energiewerte des Gebäudes weit unter dem heutigen Standard, aber zwischen 20 und 25% über den Planungswerten.

De facto ist die Primärenergiebilanz zwischen Verbrauch und Produktion nicht ausgeglichen. Weil die Abwärme aus der Entwicklungsabteilung in das Heizkonzept einbezogen ist, ist der Energieverbrauch immer an den Betrieb gekoppelt. In diesem Falle entstand durch Versuche an Heizkesseln mehr Abwärme als in der Planung angenommen, die damit Wärme aus dem BHKW ersetzt. Dies zieht eine entsprechend geringere Stromproduktion durch das BHKW nach sich. Zusammen mit einigen weiteren Faktoren führte dies dazu, dass in 2004 das Prinzip Nullemission nicht ganz erreicht wurde.

Die Datenanalyse ermöglichte eine Reihe von Optimierungen und Fehlerkorrekturen, vor allem für Pumpenbetrieb und Software-Steuerung. Weiteres Potenzial liegt in folgenden Bereichen: Stromverbrauch der Lüftungsanlagen, konsequent energiesparende Büroausstattung (Computer und Monitore), Funktion der Abluftklappen und Lüftungsventile.

Wirtschaftlichkeit

Obwohl große energietechnische Ambitionen (Prinzip Nullemission) und eine attraktive Industrie-Architektur verwirklicht wurden, gestaltete sich die Planung und Errichtung des Gebäudes relativ kostengünstig.

Projektkenndaten

Gebäudekenndaten

Bauherr, Betreiber, Nutzer SOLVIS Gmbh & Co KG
   
Gebäudetyp Fabrikgebäude mit Bürotrakt
   
Zeitangaben  
Baujahr des Gebäudes 2002
Fertigstellung 08/2002
   
Flächengrößen/Maße  
Neubau
Beheizte Nettogrundfläche (für Nichtwohngebäude, in Anlehnung an DIN 277) 8.120 m²
Bruttorauminhalt 54.740 m³
A/V-Verhältnis 0,36 m²/m³

Energiekenndaten

Energiekennwerte Bedarf  
Energiekennwerte nach EnEV, d.h. nach DIN 4108-6 bzw. DIN 18599 berechnet. Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Nettogrundfläche nach DIN 277.  
   
Neubau
Heizwärmebedarf (Nutzenergiebedarf Wärme) 23,00 kWh/m²a
Primärenergie Gesamt 64,00 kWh/m²a
   
Energiekennwerte gemessen Verbrauch  
Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Wohnfläche (Wohngebäude) bzw. die beheizte NGF für Nichtwohngebäude. Primärenergiefaktoren nach DIN 4701-10.  
   
Neubau
Endenergie Strom gesamt 25,00 kWh/m²a
Endenergie Wärme 29,00 kWh/m²a
Primärenergie Gesamt 60,50 kWh/m²a
   
weitere spezifische Verbrauchsdaten für Beleuchtung, Klima, Lüftung etc.  
Neubau
Strom für Haustechnik 15,00 kWh/m²a

Kostenkenndaten

Baukosten  
Kosten netto nach DIN 276 bezogen auf die Bruttogrundfläche (BGF) nach DIN 277  
   
Kosten für die Baukonstruktion [KG 300] 569 EUR/m²
Kosten für die Technischen Anlagen [KG 400] 188 EUR/m²
Es handelt sich hierbei um eine Kostenberechnung  

Letzte Aktualisierung: 4. Februar 2016

Thematisch verwandte Publikationen

Thematisch verwandte Projekte

Diese Webseite verwendet sogenannte Cookies zur Optimierung der Ansicht und aller Funktionen. Für die Nutzungsanalyse wird Matomo verwendet. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Wenn Sie der Nutzungsanalyse widersprechen oder mehr über Cookies erfahren möchten, klicken Sie bitte auf die Datenschutzerklärung .

OK