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Auf der Fläche des ehemaligen Fliegerhorsts in Oldenburg entsteht ein neues Wohnquartier. Neben Neubauten sollen einige der vorhandenen alten Kasernengebäude erhalten bleiben und zu Wohngebäuden umgebaut werden. Geplant ist ein neues Infrastrukturkonzept, das die Sektoren Strom, Wärme/Kälte und Elektromobilität koppelt und in ein sektorenübergreifendes Versorgungsnetz integriert. Ergänzend entwickeln die Projektpartner eine digitale Service-Plattform für ein intelligentes Last- und Beschaffungsmanagement auf Ebene des Quartiers. Unter dem Motto „Der Mensch im Zentrum“ werden Bürgerinnen und Bürger in den Planungsprozess eingebunden.

Die Neugestaltung des vormals militärisch genutzten Areals bietet der Stadt Oldenburg die einmalige Gelegenheit, ein Konzept für Wohnquartiere von morgen zu entwickeln. Auf dem gesamten Areal des ehemaligen Fliegerhorstes entstehen in den nächsten Jahren 950 Wohneinheiten sowie zusätzliche Gewerbeflächen. Für eine 3,9 ha große Teilfläche sind circa 110 Wohneinheiten geplant, die sich aus Bestands- und Neubauten zusammensetzen. Das auf dieser Teilfläche entstehende Quartier dient als „lebendes“ Labor für Smart-City-Technologien. In den kommenden zwei Jahren planen die Projektpartner unter Beteiligung der Öffentlichkeit das „Energetische Nachbarschaftsquartier“. Gewünscht ist sowohl eine gute Durchmischung von Reihen- und Mehrfamilienhäusern als auch von Eigentums- und Mietwohnungen. Die Gebäude sollen ab etwa Ende 2020 bezogen werden. Anschließend erfolgt eine etwa zwei Jahre andauernde Evaluation der energetischen Quartierskonzepte. „Zu den Kernthemen des Projekts gehört die Frage, wie die lokale Energiegemeinschaft eines Nachbarschaftsquartiers sozial und wirtschaftlich konzipiert sein muss, um für Anwohner, Energieerzeuger und Dienstleister langfristig attraktiv und betriebswirtschaftlich tragbar zu sein.“ erklärt Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff, OFFIS Vorstand.

Blick auf eine ehemalige Offizierskaserne, die im Zuge der Quartiersentwicklung zu einem Mehrfamilienhaus saniert wird.

© Stadt Oldenburg

Energietausch unter Nachbarn

Der Energiebedarf soll zum größten Teil aus lokal erzeugter Energie gedeckt werden. Dazu entwickeln die Planer ein öffentliches Versorgungsnetz, welches die Kopplung von Strom, Wärme/Kälte und Mobilität unterstützt. Das dabei entstehende, auch „Energetische Nachbarschaften“ genannte Quartierskonzept, bildet einen Verbund an Erzeugern und Verbrauchern, die sich in räumlicher Nähe zueinander befinden. Ihre überschüssige Energie wird in andere Energieformen umgewandelt und gespeichert oder direkt bereitgestellt. So lässt sich diese Energie von benachbarten Verbrauchern sofort nutzen. Das Konzept verfolgt den Gedanken, die Energieeffizienz zu steigern, indem „Abfallenergie“ vermieden und der lokale Verbrauch von „nachbarschaftlich“ erzeugter Energie gesteigert wird. Neben der Sektorenkopplung wird eine offene, sichere und datenschutzkonforme digitale Plattform entwickelt, die es den Bürgern erlaubt, den lokalen Energietausch zu automatisieren.

Community-Portal

Die digitale Service-Plattform für ein intelligentes Last- und Beschaffungsmanagement ist als digitaler Zwilling der physischen Plattform geplant. Sie stellt die erforderliche Funktionalität bereit, die zum Beispiel für die Bildung und den Betrieb lokaler Energiegenossenschaften oder anderer Kooperationsmodelle auf Quartiersebene in Zusammenarbeit mit Energiedienstleistern erforderlich ist. Die Anwohner werden als Energieproduzenten und -konsumenten über ein Community-Portal einbezogen und erhalten Einfluss auf die Konzeption und Bildung lokaler Energiegenossenschaften. Damit sind sie an den daraus abgeleiteten Geschäftsmodellen für Dienstleister zum Aufbau und Betrieb des „Energetischen Nachbarschaftsquartiers“ beteiligt.

Förderinitiative Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt

Das Projekt „ENaQ - Energetisches Nachbarschaftsquartier Fliegerhorst Oldenburg“ ist eines von sechs Leuchtturmprojekten der in 2016 gestarteten Förderinitiative Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das Projektkonsortium besteht neben dem Projektkoordinator, der Stadt Oldenburg und der wissenschaftlichen Leitung durch OFFIS e. V., Institut für Informatik, aus 20 weiteren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Letzte Aktualisierung: 27. Februar 2018

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