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Bisher liegt die Sanierungsrate im Gebäudebestand bei rund einem Prozent. Wie lässt sie sich deutlich steigern, etwa auf drei Prozent? Gemeinsam mit Kommunen untersuchen Forscher die Hemmnisse und entwickeln Sanierungspläne für unterschiedlich strukturierte Modellquartiere. Als Planungsinstrumente sollen sie Kommunen helfen, bisher nicht genutzte Sanierungspotenziale zu erschließen.

Bis 2050 soll der Gebäudebestand in Deutschland nahezu klimaneutral sein. Dazu muss das Sanierungstempo deutlich erhöht werden, denn die durchschnittliche jährliche Sanierungsrate für den gesamten Gebäudebestand liegt derzeit noch unter einem Prozent. Das Ziel der Bundesregierung im Energiekonzept sieht allerdings zwei vor, die Energieeffizienzrichtlinie der Europäischen Union fordert sogar drei Prozent. Hier setzt das "Drei-Prozent-Projekt – energieeffizienter Sanierungsfahrplan für kommunale Quartiere 2050" des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, der Hochschule für Technik Stuttgart und der Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt an. Es geht über das einzelne Gebäude hinaus und widmet sich dem Stadtquartier. Denn hier wird eine größere Bandbreite an Sanierungsvarianten durch abgestimmte Technikkombinationen und Bündelung von Maßnahmen möglich. Entscheidend ist dabei, ob Kommunen die wichtige Zielgruppe der privaten selbstnutzenden Eigentümer und Kleinvermieter mobilisieren kann – zum Beispiel durch vernetzte Beratungs- und Aktivierungsmaßnahmen.

Von Quartier zu Quartier können diese unterschiedlich gestaltet sein. Ausschlaggebend sind die jeweiligen Eigentumsverhältnisse, die Alters-, Sozial- und Bebauungsstruktur, der Immobilienmarkt, die vorhandene Energieinfrastruktur sowie die Möglichkeiten, erneuerbare Energien einzusetzen. Aus diesem Grund untersuchen die Forscher derzeit Potenziale und Sanierungshemmnisse. Ab 2017 erarbeiten sie passgenaue Sanierungsfahrpläne für die drei Untersuchungsgebiete. Daraus wird eine übertragbare Methodik für weitere Quartiere abgeleitet.

Sanierungsfahrpläne weiterentwickeln

Die Energieeffizienzrichtlinie der EU fordert eine 3%-Sanierungsrate für öffentliche nationale Gebäude. Verschiedene Bundesbehörden arbeiten an der Umsetzung in Deutschland. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und einige Bundesländer setzen sich zudem für einen gebäudebezogenen Sanierungsfahrplan ein, der als Beratungsinstrument selbstnutzenden Einzeleigentümern helfen soll, die Sanierung ihres Hauses zu planen. Für Stadtquartiere fehlt ein solches Planungsinstrument bislang. Als "Sanierungsfahrplan" wird ein mittelfristiger Arbeits- und Zeitplan für eine begrenzte Zahl von Liegenschaften in einem Quartier bezeichnet, die energetisch saniert werden sollen. Kommunen haben derzeit nur die Möglichkeit, energetische Quartierskonzepte als Grundlage für den städtebaulichen Rahmenplan sowie die Planung der Energieinfrastruktur zu erarbeiten. Der künftige Sanierungsfahrplan für Quartiere soll die Schnittstelle zwischen energetischem Konzept und konkreter Umsetzung schließen und dadurch die Sanierungsrate erhöhen.

Erprobung in drei Modellquartieren

Die künftigen Sanierungsfahrpläne werden gemeinsam mit Kommunen für drei unterschiedlich strukturierte Modell-Quartiere erarbeitet und erprobt: in Aachen-Brand (Nordrhein-Westfalen), Ludwigsburg-Schlösslesfeld in Baden-Württemberg und in Nieder-Beerbach im hessischen Mühltal. Auf ihrer Grundlage leiten die Forscher Handlungsmöglichkeiten für die Quartiersentwicklung ab und entwickeln neue Finanzierungsansätze, zum Beispiel Contracting-Lösungen oder Leasing- und Mieterstrommodelle.

Konzepte für Kommunikation und Beteiligung

Entscheidend für eine erhöhte Sanierungsaktivität ist es, örtliche Akteure wie Gebäudeeigentümer, Energieversorger, Architekten und Handwerker einzubinden. Auf deren Entscheidungsfindung sowie die Wahrnehmung von Kosten und Risiken einer Sanierungsmaßnahme kann durch frühzeitige und umfassende Kommunikation Einfluss genommen werden. Hierfür wollen die Forscher Hilfestellung durch Kommunikationsmodelle anbieten – u. a. durch die Beteiligung eines neutralen Moderators. Diese Rolle könnten Energieagenturen, Kommunen, aber auch Hausverwaltungen einnehmen.

Internationaler Erfahrungsaustausch

Energetische Sanierungsfahrpläne für Stadtquartiere sollen zu einem Standardinstrument entwickelt werden und Eingang in die kommunale Entwicklungsplanung finden, unterstützt durch einen operativen Leitfaden für Kommunalverwaltungen. Zusätzlich fließen die Ergebnisse des Drei-Prozent-Projekts in den EBC Annex 63 der Internationalen Energieagentur zur Umsetzung von Energiestrategien in Kommunen ein. Neben dem internationalen Erfahrungsaustausch erarbeiten die Annex-Partnerorganisationen Arbeitsmaterialien für die wichtigsten Zielgruppen in Stadtquartieren.

Projektkoordination, Vor-Ort-Analyse und Austausch:
Deutscher Verband für Wohnungswesen,
Städtebau und Raumordnung e. V.
Littenstraße 10,
10179 Berlin
Ansprechpartner: Jens Freudenberg,
E-Mail: j.freudenberg(at)deutscher-verband.org

Partizipation und Finanzierung:
Hochschule für Technik Stuttgart,
Fachgebiet Corporate Finance, Risikomanagement, Capital Markets, Banking
Schellingstr. 24,
70174 Stuttgart
Ansprechpartner: Prof. Dr. Tobias Popović,
E-Mail: tobias.popovic(at)hft-stuttgart.de

Entwicklung der Methodik und des Instruments "Energieeffiziente Sanierungsfahrpläne":
Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt mbH
Alexanderstraße 7,
10178 Berlin
Ansprechpartnerin: Uta Schneider Gräfin zu Lynar,
E-Mail: ulynar(at)bsu-berlin.de

Das Projekt ist Teil des BMWi-Förderschwerpunkts Energiesystemanalyse.
Weitere Informationen dazu auf der Webseite des Projektträgers Jülich.

Letzte Aktualisierung: 15. Dezember 2016

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