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Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sind weitere Anstrengungen nötig. Dies war auch Tenor von zwei Veranstaltungen am Dienstag auf den Berliner Energietagen: In einer Vortragsreihe des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) stellten Expertinnen und Experten „Innovative Lösungen für den Gebäudebestand“ vor, abends präsentierte die Bergische Universität Wuppertal den internationalen Wettbewerb Solar Decathlon Europe 2021. Studentische Teams können sich hier mit Ideen bewerben, die unter anderem eine ressourceneffiziente und klimaneutrale Stadt zum Ziel haben.

Das Thema „Energiesprong“ zog sich als roter Faden durch die Vorträge und Diskussionen auf der Vormittagsveranstaltung des BMWi. Bei diesem, auch als „Serielles Sanieren“ bezeichneten Prinzip, setzen die Architekten und Bauplaner auf digitalisierte, standardisierte Prozesse. Auf der Baustelle kommen bereits vorab gefertigte Bau- und Technikelemente zum Einsatz. Es handelt sich um ein ganzheitliches Konzept, bei dem sowohl Fassadenelemente als auch die Haustechnik mitgedacht werden.

Dr. Alexander Renner, Referatsleiter „Energiepolitische Grundsatzfragen im Gebäudesektor“ im BMWi, betonte in seinem Vortrag, dass herkömmliche Lösungen alleine nicht ausreichen würden, um die aktuelle Sanierungsrate von 1% auf die benötigten mindestens 2% zu erhöhen.

© Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH

Wie die Umsetzung des Energiesprong-Prinzips in der Praxis aussehen kann, hat Emmanuel Heisenberg, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens ecoworks, beschrieben.

© Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH

Ziel: Erster Absatzmarkt in Deutschland

In seinem einleitenden Vortrag betonte Dr. Alexander Renner, Referatsleiter „Energiepolitische Grundsatzfragen im Gebäudesektor“ im BMWi, dass herkömmliche Lösungen alleine nicht ausreichen würden, um die aktuelle Sanierungsrate von 1% auf die benötigten mindestens 2% zu erhöhen und die Klimaschutzziele zu erreichen. Ziel des aus den Niederlanden stammenden Energiesprong-Prinzips ist eine Sanierung auf NetZero-Standard, bei dem das Gebäude über das Jahr so viel Energie für Heizung, Warmwasser und Strom erzeugt, wie seine Bewohner benötigen. Die Sanierung soll warmmietenneutral und innerhalb weniger Wochen erfolgen. Für dieses Prinzip soll in Deutschland ein Breitenmarkt entwickelt werden. Im Fokus stehen hier zunächst Mehrfamilienhäuser und damit verbunden eine enge Zusammenarbeit mit innovativen Bau- und Wohnungsunternehmen.

Aktuell findet Sprung in die Praxis statt

Wie die Umsetzung des Energiesprong-Prinzips in der Praxis aussehen kann, hat Emmanuel Heisenberg, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens ecoworks, beschrieben. Seine Firma wendet das Verfahren aktuell erstmals bei Gebäuden in Hameln sowie in Köln an. „Zunächst werden die Gebäude digital geplant. Die Berechnungen werden in das produzierende Werk geschickt. Hier werden dann die Fassaden inklusive Fenster sowie Dachelemente hergestellt und im Anschluss auf die Baustelle gebracht“, erklärte Heisenberg. Eine Verbesserung zu herkömmlichen Abläufen, bei denen 95% der Fertigung auf der Baustelle stattfindet. Heizwärme und Warmwasser werden über eine Wärmepumpe in einem vor dem Gebäude aufgestellten Container erzeugt. Die erforderliche Energie stammt aus Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach und aus Wärmerückgewinnung der in die Fenster integrierten Lüftungsanlagen. 

Da sich die Sanierungszeit beim Energiesprong-Prinzip auf wenige Wochen verkürzt, können Konflikte mit Mietern vermieden und die Akzeptanz für die Maßnahmen erhöht werden. Dies ist auch für Ewald Ernst, Vorstand der Baugenossenschaft Oberricklingen, ein wesentlicher Vorteil, wie er in seinem Vortrag betonte. In einem Mehrfamilienhaus seiner Baugenossenschaft werden in Kürze Sanierungen nach dem Energiesprong-Verfahren durchgeführt.

Eine Verkürzung der Sanierungszeiten ist für Ewald Ernst, Vorstand der Baugenossenschaft Oberricklingen, besonders wichtig.

© Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH

Professor Dr. Raimar Scherer von der Technischen Universität Dresden stellte in seinem Vortrag Chancen zur Kostensenkung durch Digitalisierung vor.

© Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH

Digitalisierung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

Professor Dr. Raimar Scherer von der Technischen Universität Dresden erläuterte in seinem Vortrag wie mit gut strukturierten Datenmodellen des Bauwerks in jeder Phase der Planung Kosten, Energieverbrauch und Baubarkeit mit Simulationen überprüft werden können. So können Planungsziele sichergestellt und das Bauwerk darüber hinaus optimiert werden. Bau-, Unterhaltungskosten und Energieverbrauch können drastisch reduziert werden. Auch für die erfolgreiche Umsetzung von Energiesprong-Sanierungen sind digitale Lösungen eine wichtige Voraussetzung.

Internationaler Wettbewerb: Innovative Ideen für urbanes Umfeld gesucht

Abends präsentierte die Bergische Universität Wuppertal den aktuellen Stand beim internationalen Wettbewerb Solar Decathlon Europe. Dieser findet in 2021 erstmalig in Deutschland statt, im Mirker Stadtquartier in Wuppertal. Der Wettbewerb richtet sich an Studierende, die ihr theoretisches Wissen und ihre Kreativität in interdisziplinären Teams in die Praxis umsetzen möchten. Bewerberteams können noch bis Oktober 2019 ihre Ideen einreichen.

Dr.-Ing. Katharina Simon von der Wuppertaler Universität erläuterte die urbane Neuausrichtung des Solar Decathlon Europe 2021. Sie wies darauf hin, dass im Bestandsbereich ein großer Handlungsbedarf besteht, um eine Transformation in Richtung erfolgreiche Energiewende schaffen zu können: „Letztendlich möchten wir mit dem Wettbewerb reale Probleme europäischer Städte thematisieren: Vorrangig geht es darum, bestehende Gebäude umzubauen, aufzustocken, daran anzubauen oder Baulücken zu schließen. Es soll aber auch der infrastrukturelle und sozio-ökonomische Kontext mit einbezogen werden.“ So können etwa soziale Szenarien und Steckbriefe der potenziellen Bewohner dabei helfen, die Bauaufgaben realitätsnah zu definieren. Die studentischen Teams sollen lebensnahe Lösungen einreichen, die eine ressourceneffiziente und klimaneutrale Stadt im Blick haben.

Letzte Aktualisierung: 24. Mai 2019

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