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Gestern wurden die Preisträger des Ideenwettbewerbs EnEff.Gebäude.2050 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin ausgezeichnet. Im zweiten Teil waren Konzepte für einen künftigen internationalen Energiewettbewerb für Gebäude und Quartiere gesucht, die einen interessanten Austragungsort präsentieren und die vorgeschlagene Wettbewerbsstätte nachhaltig als Experimentierraum oder „Living-Lab“ in das städtische Umfeld integrieren. Dort sollen sich lokale Hochschulen, Behörden, Immobilieneigner, Unternehmen und Bürger einbringen und neue Ideen für energieeffiziente Gebäude und Stadtquartiere in die Breite tragen.

Der Ideenwettbewerb EnEff.Gebäude.2050 stellt Ideen und Konzepte in den Mittelpunkt, die Wege in Richtung nahezu klimaneutraler Gebäude und Quartiere aufzeigen. In der Kategorie 2 haben Kommunen und Hochschulen gemeinsam Konzepte für einen internationalen Energiewettbewerb eingereicht, der in der Tradition des „Solar Decathlon Europe“ steht und diesen weiter entwickelt. Mit ihrer breiten Anwendung soll der Transfer aus der Forschung in die gebaute Praxis intensiviert werden. Der Ansatz ist interdisziplinär, technologieübergreifend, gesellschaftlich und partizipatorisch. Er soll helfen, einen nachhaltigen und organischen Stadtraum zu gestalten. Die fünf prämierten Wettbewerbskonzepte zeichnen sich nicht nur durch eine öffentlichkeitswirksame oder wissenschaftliche Begleitung aus, sondern auch durch die schlüssige Wahl des Austragungsorts und seine Integration in das vorgeschlagene städtebauliche Konzept.

Die Jurysitzung zum zweiten Teil des Ideenwettbewerbs fand am 29.November2017 in Berlin statt. Unter Vorsitz von Professor Hans-Martin Henning, Leiter des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme, bewertete eine interdisziplinär besetzte Jury die eingereichten Arbeiten. Insgesamt wurden 130.000 Euro Preisgeld vergeben.

Gemeinsam im ersten Rang wurden die Bergische Universität Wuppertal mit der Stadt Wuppertal und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus mit der Stadt Cottbus für ihre Konzepte mit jeweils 40.000 Euro prämiert. Auf dem zweiten Rang folgen die Ideen der Beuth Hochschule für Technik Berlin mit der Stadt Berlin sowie die Technische Universität Darmstadt mit der Stadt Frankfurt am Main mit einem Preisgeld von 20.000 Euro. Die Technische Universität Braunschweig erhält zusammen mit der Stadt Braunschweig einen Sonderpreis in Höhe von 10.000 Euro.

Die ausgezeichneten Konzepte sind eine wichtige Vorbereitung für die mögliche Ausschreibung eines internationalen Energiewettbewerbs unter internationaler Schirmherrschaft. Ihre Ideen sollen die weitere Konzipierung und Umsetzung des Wettbewerbs wesentlich unterstützen.

Die fünf Preisträger kurz vorgestellt:

Dezentrale Contests für die regionale Transformation

© Team Energy Endeavor Competition, Region Cottbus

Das Konzept sieht vor, den künftigen Ideenwettbewerb in drei Phasen zu unterteilen: In einer erste Phase sollen Studierendengruppen unmittelbar eingebunden werden, betreut durch ein interdisziplinäres Expertenteam. Dann folgt die intensive Einbindung der Öffentlichkeit in der Veranstaltungsphase. Die dritte und letzte Phase bereitet die Nachnutzung der Wettbewerbsbeiträge vor.

Details zum Beitrag "Energy Endeavor Competition", Region Cottbus

© BINE Informationsdienst

In der Region Lausitz werden insgesamt acht Wettbewerbsstandorte in den drei Städten Cottbus, Spremberg und Lübbenau eingebunden. Dabei ist Cottbus zentraler Austragungsort der Energy Endeavour Competition. Teilnehmer aus technischen Hochschulen und Unternehmen sollen beispielsweise am Standort mit dem technischen Schwerpunkt „Smart City/Smart Grid“ unterschiedliche Energieverbraucher und -erzeuger vernetzen und neue digitale Konzepte zur Ressourcenoptimierung umsetzen. Diese sollen beispielhaft für innovative Ansätze in Stadtquartieren und Energiesystemen der Zukunft real ausgeführt werden. Die Umsetzung findet in einem sogenannten Urban Living Lab als Experimentierraum statt, der öffentlichkeitswirksam als großes Schaufenster in den Wettbewerbsbetrieb dient.

Ausgehend von den spezifischen Merkmalen der acht Wettbewerbsstandorte sollen Contests in fünf Kategorien entwickelt werden, deren Disziplinen sich aus den zentralen Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung ableiten: Konzept/Entwurf, Soziales & Kultur, Stadtplanung, Technik/Energie und Monitoring. Gleichzeitig entsteht das Konzept eines einheitlich strukturierten Wettbewerbsformats in drei Phasen, mit einer flexiblen Bewertungsstruktur. Thematisiert werden zentrale, semizentrale und dezentralen (Energie)Versorgungslösungen als Teil der Wettbewerbsaufgabe. Die Contests werden direkt in die Planungs- und Realisierungsabläufe der realen Bauvorhaben integriert. Zur Abwicklung und Koordinierung der Organisation soll eine Betreibergesellschaft gegründet werden.

Team

BTU Cottbus-Senftenberg und Stadt Cottbus

 

Wettbewerbscommunity coacht Quartiersentwicklung

© Team Solar Decathlon goes Urban, Mirker Quartier Wuppertal

Dieser Beitrag entwickelt den bisherigen Wettbewerb „Solar Decathlon“ mit einer Verankerung in einem städtischen Quartier, dem vitalen Mirker Bahnhof im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld, weiter. Dabei soll die internationale universitäre Wettbewerbscommunity zum Baustein für das Living Lab der dortigen Quartiersentwicklung werden. Sie soll bereits bestehende lokale Initiativen für ein besonders energieeffizientes Quartier unterstützen und in das Wettbewerbskonzept einbinden.

Details zum Beitrag "Solar Decathlon goes Urban", Mirker Quartier Wuppertal

© BINE Informationsdienst

Das vitale Mirker Quartier mit seinen rund 800 Gebäuden dient dem Wettbewerb als Plattform und zusammen mit seinen angrenzenden Flächen auch als Austragungsort. Das gründerzeitlich geprägte Quartier steht schon heute für spannende urbane Entwicklungen. Die Initative „Utopiastadt“ als kreatives Cluster hat dort ihr Zuhause und über das Forum:Mirke agiert eine aktive Zivilgesellschaf. Auch Wissenschaft erforschen Entwicklungen im Quartier in verschiedenen Projekten als Reallabor.

Das Wettbewerbskonzept sieht ein mehrphasiges Modell vor: Ein studentischer Wettbewerb sowie die Ausschreibung und Realisierung von Demonstrationsprojekten im Quartier. Hinzu kommt das Living Lab NRW. An sechs Orten im Mirker Quartier werden unterschiedliche Bauaufgaben im Bestand - von der Baulücke bis zur Aufstockung - geplant, umgesetzt und wissenschaftlich begleitet. Vorgelagert ist ein Wettbewerb mit dem Schwerpunkt einer wohn- und wohnähnlichen Nutzung für urbane Holzbauten auf einem freien Baufeld am Mirker Bahnhof. Als Anreize für die spätere Nutzung sind eine Förderung für innovative Maßnahmen und ein Monitoring vorgesehen.

Team

Bergische Universität Wuppertal und Stadt Wuppertal

 

Konversionsprojekt als Leuchtturm des Energy Lab

© Team Energy Lab, Schumacher Quartier Berlin-Tegel

Mit einer Abfolge von Wettbewerben ist die Entwicklung des Schumacher Quartiers auf der Konversionsfläche des Flughafens Tegel verbunden – das größte Wohnungsbauprojekt in Berlin. Das Wettbewerbsformat soll eine Brücke zwischen Forschern und Baupraktikern bilden, die im Energy Lab gemeinsam Konzepte für klimaneutrale Gebäuden erarbeiten.

Details zum Beitrag "Energy Lab", Schumacher Quartier Berlin-Tegel

© BINE Informationsdienst

Für das Energy Lab Berlin wurde ein Bereich im südwestlichen Teil des Schumacher Quartiers nahe des Flughafens Tegel ausgewählt, das landesweit größte Wohnungsbauprojekt. Seine Realisierung soll zwischen 2021 und 2025 erfolgen. Das Ziel ist es, in der Tradition einer Bauausstellung bereits zu Beginn der Umsetzungsphase vorbildhafte Konzepte für klimaneutrale Gebäuden aufzuzeigen. Der Wettbewerbsstandort selbst besteht aus zwei benachbarten Baufeldern, auf denen rund 200 Wohneinheiten und ggf. gewerbliche Nutzungen in den Erdgeschossbereichen entstehen sollen. Ein weiterer Teil der Aufgabenstellung ist die Gestaltung gemeinschaftlich genutzter Blockinnenbereiche und Freiflächen innerhalb der Baufelder.

Mit dem Energy Lab Berlin ist eine aufeinander aufbauende Abfolge von Wettbewerben verbunden. Das Instrument des Wettbewerbs soll eine Brücke zwischen Forschung und gebauter Praxis von Gebäuden und Quartieren aufzeigen. Die innovativen Ansätze bei der Entwicklung des Schumacher Quartiers sollen entsprechende Synergieeffekte ermöglichen. Die Umsetzung des Konzepts ist jedoch an die Schließung des Flughafens Tegel gekoppelt.

Team

Beuth Hochschule für Technik Berlin, Stadt Berlin sowie Tegel Projekt GmbH

 

Geschosswohnungsbauten werden Entwicklungslabor

© Team TRUE LAB, Nordweststadt Frankfurt am Main

Das Wettbewerbskonzept TRUE LAB ist am Beispiel der Transformation eines Quartiers im Süden der Frankfurter Nordweststadt die experimentelle Bühne für ein Forschungs- und Entwicklungslabor. In diesem werden die teilnehmenden Teams Entwicklungsoptionen für ein beispielhaftes Ensemble von Geschosswohnungsbauten der 1950er bis 1970er Jahre entwerfen, planen und bauen. Und schließlich die Ergebnisse mit den Bewohnern testen und abschließend evaluieren.

Details zum Beitrag "TRUE LAB", Nordweststadt Frankfurt am Main

Austragungsort für den Wettbewerb ist die Stadt Frankfurt am Main. Als konkrete Spielstätte wurde ein Quartier der ABG FRANKFURT HOLDING GmbH im Süden der Nordweststadt ausgewählt. Bei den Liegenschaften handelt es sich überwiegend um Geschosswohnungsbauten mit Wohneinheiten verschiedenster Größen. Ziel ist die Transformation eines sogenannten Quartierbausteins mit beispielhaftem Gebäudeensemble aus den 1950er bis 1970er Jahren. Für die bestehenden Gebäudestrukturen sollen Entwicklungsoptionen für die geplante Nachverdichtung, Aufstockung, Erweiterung und Umnutzung entwickelt werden.

Im konzipierten Wettbewerb soll die Philosophie der ganzheitlichen Vernetzung frühzeitig verankert werden. Den Hintergrund dafür bilden die vielfältigen Entwicklungspotenziale der europäischen Stadt, also der gewachsene Gebäudebestand. Die zu entwickelnden Entwicklungsoptionen sollen anhand der gleichwertigen Leitkategorien Effizienz, Suffizienz und Konsistenz bewertet und in ein ganzheitliches Konzept für eine Quartierstransformation mit innovativen Lösungsansätzen einfließen. Der reale Spielort dieser Transformation existiert bereits als Reallabor im Stadtgefüge des ausgewählten Quartiers mit dem aktuellen baulichen Entwicklungsstand und der dort lebenden Wohn-, Lebens- und Arbeitsgesellschaft. Er wird nun auch zur Wettbewerbsspielstätte.

Team

Technische Universität Darmstadt, Stadt Frankfurt am Main und
ABG FRANKFURT HOLDING mbH

 

Zwei Stufen zum European Contest

© Team Competition Future, Stadt Braunschweig und Metropolregion Hannover/Braunschweig/Göttingen/Wolfsburg

Competition Future beschreibt ein zweistufiges Konzept für einen internationalen Energiewettbewerb mit der Metropolregion Hannover/Braunschweig/Göttingen/Wolfsburg als Austragungsort. In der ersten Stufe des Wettbewerbs können sich Kommunen der Länder, die sich am internationalen Wettbewerb beteiligen mit einem Wettbewerbsbeitrag, einer städtebaulichen Maßnahme, bewerben. Einer nationalen Phase mit der Ermittlung von Gewinnern folgt eine internationale Phase mit der Präsentation der jeweiligen nationalen Gewinner in einer großen Finale-Veranstaltung.

Details zum Beitrag "Competition Future", Metropolregion Hannover/Braunschweig/Göttingen/Wolfsburg

© BINE Informationsdienst

Competition Future Germany ist der Vorentscheid für die europaweite Wettbewerbsebene. Deutschlandweit können Teams Projekte mit Nachhaltigkeitskonzepten für ihre Region, Stadt oder Gemeinde einreichen und damit ihren Fokus auf eine innovative Stadtentwicklung verfolgen. Vor Ort wird der Wettbewerbsbeitrag medien- und öffentlichkeitswirksam präsentiert und eine Eventlocation installiert. Neben dezentralen Spielstätten gibt es einen zentralen Austragungsort, für die Auftaktveranstaltung, das Halbfinale und Finale, Jurysitzungen und die zentrale Organisation. Dazu sollen im Sinne der Nachhaltigkeit bestehende Infrastrukturen genutzt werden. Projekte können im Bestand realisiert, ihre Inhalte auf einer zentralen Wissensplattform präsentiert werden.

Der Wettbewerb gliedert sich in eine nationale und internationale Phase. Jährliche Veranstaltungen innerhalb der teilnehmenden Länder sollen den Akteuren und der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich zu vernetzten und aktiv an den Projekten teilzuhaben. Sie finden im jeweiligen Land an einem zentralen Ort statt; in Deutschland ist hierfür die Metropolregion Hannover/Braunschweig/Göttingen/Wolfsburg vorgesehen. Die Hauptveranstaltung ist als medienwirksame Großveranstaltung geplant - vergleichbar mit dem Eurovision Songcontest. Die Gesamtdauer für die Durchführung des internationalen Energiewettbewerbs umfasst sechs Jahre. Mittels einer zentralen Wissensplattform sollen die Inhalte des Wettbewerbs und die Einbindung seiner dezentral im Bundesgebiet bzw. in Europa verteilten Spielstätten organisiert werden.

Team

TU Braunschweig und Stadt Braunschweig sowie Volksbank eG Braunschweig/Wolfsburg, BS | ENERGY, Braunschweiger Versorgungs-AG & Co.KG, Braunschweiger Verkehrs-GmbH, Volkswagen-Immobilien GmbH, Stadtwerke Wolfsburg AG und Wolfsburg AG

 

Details zum Wettbewerbsverfahren, zu den Preisträgern und ihren Beiträgen sowie die Wertungen der Jury finden sich in der Broschüre „Ideenwettbewerbs EnEff.Gebäude.2050“ des Projektträgers Jülich (PtJ).

Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2017

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