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Mit der „Renovation Wave“-Strategie will die EU-Kommission die Schlagzahl an energetischen Sanierungen in den nächsten zehn Jahren verdoppeln – und gleichzeitig die Wohnqualität verbessern und neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Umsetzung dieser Renovierungswelle liegt in der Hand der Mitgliedsstaaten. Und wie diese für Deutschland aussehen könnte, das zeigte eine Veranstaltung im Rahmen der Berliner Energietage. Unter dem Titel „Eine Renovierungswelle für Europa und Deutschland“ diskutierten VertreterInnen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft darüber, welche Rolle die größte Volkswirtschaft der EU in dieser Strategie spielen muss.

Stefan Moser, Leiter des Referats Gebäude und Produkte der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission stellte die Strategie umfassend vor. Die Kommission selbst präsentierte das Rahmenprogramm „Renovation Wave“ bereits im vergangenen Oktober. Das Programm soll die Energienutzung von Gebäuden verbessern, die Renovierungsraten verdoppeln und dazu beitragen, Europa bis 2050 CO2-neutral zu machen.

Derzeit sind Gebäude in etwa für 40 Prozent des europäischen Energieverbrauchs verantwortlich. Emissionssparende Materialien und Vorgehensweisen sind bei Renovierungen noch zu selten – hier sieht die EU Potenzial. (Die Strategie als PDF finden Sie hier auf den Seiten der EU-Kommission.)

Moser betonte, wie viele Faktoren mit diesen Hauptzielen verknüpft seien: Energieeffizienz, Bezahlbarkeit, Ressourceneffizienz, die Integration von Gebäuden in städtische Gesamtkonzepte oder die Digitalisierung von Baugewerbe und Gebäuden. Und auch das sei nur ein kleiner Teil, man könne geradezu von einem holistischen Ansatz der Renovierungswelle sprechen. Wichtig sei der EU, nicht nur Geld zuzuschießen, sondern vielseitige Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen. Auch nationale Beihilfen und private Investitionen sollen mobilisiert werden können.

Zumindest mit der nationalen Unterstützung könne die EU rechnen, erklärte Thorsten Herdan, Leiter der Abteilung II (Energiepolitik – Wärme und Effizienz) im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi): „Wir als Politik müssen klare Signale setzen. Einzelgebäude zu betrachten, das reicht nicht. Unsere aktuelle Regulatorik stört ein Miteinander von unterschiedlichen Gebäudetypen und Akteuren – das müssen wir reduzieren.“ Stattdessen wolle das BMWi innovative Geschäftsmodelle ermöglichen; mit neuen Instrumenten.

Herdan: „Wir müssen die Menschen mitnehmen“

Dabei sieht Herdan bereits umfangreiche Aktivitäten und eine große Nachfrage an Sanierungen. Dies machte er unter anderem an Preissteigerungen bei Materialien aus, aber auch bei Handwerkern, die zum Teil gar nicht verfügbar seien; oder nur mit langen Wartezeiten: „Die Branche ist engagiert, verfügt aber auch nur über begrenzte Ressourcen. Diese Ressourcen müssen aufgebaut werden, auch nachhaltig.“ Hier wolle das BMWi sich ebenfalls engagieren. Sein Fazit ist deshalb: „Deutschland steckt bereits in einer Renovierungswelle.“

„Diese Welle kann kommen“, schränkte Oliver Rapf, Geschäftsführer des Buildings Performance Institute Europe ein. Deutschland hänge im europäischen Vergleich nicht hinterher – aber liefere auch keine Best-Case-Beispiele. „Mit der Renovierungswelle kommen große Chancen“, erklärte er. Zum Beispiel für vom Strukturwandel betroffene Industrie – Hersteller von Renovierungskomponenten könnten auf Arbeitskräfte etwa aus der Automobilindustrie zurückgreifen.

„Wir müssen begeistern und Menschen mitnehmen“, fasste Herdan die Ansprüche der Diskutierenden an die Renovierungswelle zusammen. Darüber hinaus spiegelten sich auch individuelle Interessenlagen der deutschen Wirtschaft in der Diskussionsrunde wider. Für Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, bedeute kundenfreundlich vor allem die Emissionsreduktion, weniger Regulatorik und Kostenanreize, etwa über CO2-Preise. Auch Stefan Moser betonte die Notwendigkeit, den Gebäudebereich in den Emissionshandel einzubeziehen. „Dadurch darf aber niemand, der knapp bei Kasse ist, vor größeren Problemen stehen“, fügte er an. Jede Maßnahme habe auch soziale Aspekte.

Dies wurde auch in einem zweiten Teil der Veranstaltung deutlich, bei dem etwa die EU-Initiative „New European Bauhaus“ vorgestellt wurde. Unter diesem Schlagwort soll ein Rat aus externen ExpertInnen aus Wissenschaft, Architektur, Design, Kunst, Planung und der Zivilgesellschaft gegründet werden.

Grüner mit dem New European Bauhaus

„Wir wollen dabei herausfinden, wie wir nach der Pandemie besser zusammenleben können. Es geht darum, Nachhaltigkeit und Ästhetik zu vereinen, um den europäischen Grünen Deal in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger und auch in ihrem Zuhause Realität werden zu lassen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Vorstellung Anfang des Jahres.

Für Ralf Niebergall, Vize-Präsident der Bundesarchitektenkammer, ein Aufbruchssignal. Aber auch er mahnte bei den Berliner Energietagen die sozialen und ökologischen Notwendigkeiten an, die sich mit den europäischen Initiativen ergäben. Immerhin solle das neue europäische Bauhaus, so von der Leyen, auch einen Beitrag zur Umsetzung des europäischen Grünen Deals leisten.

Flankiert werden die EU-Maßnahmen im Gebäudebereich durch bestehende Förderprogramme. Im Rahmen des SET-Plans sollen zum Beispiel Wettbewerbe im Bereich des nachhaltigen Bauens stattfinden. Auch hier ist Deutschland bereits gut aufgestellt: Mit dem Solar Decathlon Europe 21 fördert das BMWi bereits einen prestigeträchtigen europaweiten Energie-Wettbewerb.(pj)

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Letzte Aktualisierung: 7. Mai 2021

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