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Kurztitel: ENOB/EnBau-Demovorhaben: Neues Regionshaus Hannover
Förderkennzeichen: 0335007X
Status: Abgeschlossen
Laufzeit: 07/2006 bis 06/2010
Themen: Neubau von Einzelgebäuden, Heizen, Lüften, Kühlen, Wärmenetze & Kältenetze, Betriebsführung & Energiemanagement, Wärme aus Erdreich, Grundwasser, Abwasser, Wirtschaftlichkeitsanalysen, Monitoring & Bilanzierung, Betriebsoptimierung
Standort: Hildesheimer Str. 18, 30169 Hannover
Innovation: Finanzierungsmodell ermöglicht trotz knapper öffentlicher Kassen ein energieoptimiertes Gebäude. Erdsondenfeld dient im Winter zum Vorheizen der Zuluft und im Sommer als Kältequelle für die Betonkerntemperierung.
Schlagworte:

Quintessenz

  • Bauvorhaben realisiert in Privat Public Partnership  (PPP)
  • Erdsondenfeld unterstützt passive Klimatisierung über Betonkernaktivierung
  • Sonnen- und Blendschutz mit Tageslichtlenkung im Verglasungszwischenraum
  • Präsenz- und helligkeitsgesteuertes Beleuchtungskonzept
  • Gesamter Primärenergieverbrauch beträgt 82 kWh/m2a nach DIN 18599

Bei der Umsetzung des Projektes kam ein besonderes Finanzierungsmodell zum Tragen „Public Private Partnership“, kurz PPP. Der Bauherr „Region Hannover“ konnte trotz knappem öffentlichen Budgets ein konsequent energieoptimiertes Gebäude für 300 Mitarbeiter errichten. Die Klimatisierung des Gebäudes erfolgt über Betonkernaktivierung der Bürodecken. Die notwendige Kälte stellen im Sommer 12 Erdsonden bereit, die ebenfalls im Winter zur Vortemperierung der Zuluft genutzt werden. Das Belichtungskonzept beinhaltet eine präsens- und helligkeitsgesteuerte Beleuchtung und einen sich automatisch regelnden Sonnenschutz.

Projektkontext

Mit dem neuen Regionshaus Hannover wurde zum ersten Mal ein Gebäude entsprechend den Standards des Förderkonzepts Energieoptimiertes Bauen (EnOB) nach dem PPP-Finanzierungsmodell realisiert. Die Region Hannover errichtete das Gebäude in der Innenstadt von Hannover. Der hohe energetische Standard wurde im PPP-Projekt als Ziel vertraglich definiert, es umfasst Planung und Errichtung sowie die Finanzierung über 20 Jahre. Die wissenschaftliche Begleitforschung wird als EnOB-Projekt vom BMWi gefördert und erhielt Zuschüsse von "proKlima - Der enercity-Fonds".

Das neue Regionshaus Hannover. Grundriss.

© bünemann & collegen

Weitere Abbildungen

Das neue Regionshaus im Bau. Aufnahme vom Mai 2006.

© TU Braunschweig, IGS

Das neue Regionshaus Hannover. Visualisierung Sitzungssaal.

© bünemann & collegen

Der Sitzungssaal nach der Fertigstellung. Das Ergebnis liegt verblüffend nah an der Visualisierung.

© TU Braunschweig, IGS

Forschungsfokus

Ein besonderer Schwerpunkt des Forschungsprojekts ist die Analyse und Darstellung der Abwicklung des PPP-Verfahrens. Es werden neben den technischen Aspekten die Möglichkeiten der juristisch-administrativen und der wirtschaftlichen Umsetzung des EnOB-Energiestandards für öffentliche Bauträger nachgewiesen.

Konkret wurden in dem Modellprojekt folgende Punkte bearbeitet:

Folgende Ziele wurden in dem Demonstrationsvorhaben verfolgt:

  1. Untersuchung und Dokumentation der Planungs-, Bau- und Nutzungsphase hinsichtlich der Energieeffizienz und des Nutzerkomforts sowie der Umsetzung und der besonderen Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Rahmen des PPP-Verfahrens
  2. Entwicklung eines Handbuchs zur Integration des EnOB-Standards als Leistungsbild in PPPVerfahren in Abstimmung mit dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Landkreistag
  3. Durchführung und Bewertung partizipativer und deskriptiver Maßnahmen zum Nutzerverhalten insbesondere für öffentliche Verwaltungen

Konzept

Gebäudekonzept

Die PPP-Ausschreibung hat die wesentlichen Ziele hinsichtlich der Energieeffizienz definiert, den Planern jedoch viel Platz bei der Konzeption gelassen.

Der Entwurf, der jetzt umgesetzt wurde, sieht ein technik-extensives Energiekonzept vor, dass auf die Wünsche der Region nach einem betriebssicheren, wartungsarmen Gebäude mit geringen Lebenszykluskosten reagiert.

Das Gebäude in der Innenstadt Hannovers ergänzt den dichten Bestand von Verwaltungsgebäuden der Region Hannover. Der 5-geschossige winkelförmige Baukörper bietet mit einem im EG zur Straße herausgeschobenen, großzügig verglasten Multifunktionssaal eine neue, attraktive Adresse für die Region.

Die besondere Herausforderung dieses Modellprojekts lag in der Aufnahme der hohen Anforderungen des EnOB-Standards an die Energieeffizienz in ein offenes Wettbewerbsverfahren der öffentlichen Hand. Der Primärenergiebedarf für Heizen, Lüften, Kühlen und Beleuchten darf jährlich 100 kWh pro m2 nicht überschreiten.

Holz-Alu-Fenster mit innen liegendem Sonnen-/Blendschutz.

© TU Braunschweig, IGS

Präsenz- und Helligkeitssensor der speziellen Deckenleuchten, die das Licht nach oben und unten abstrahlen.

© TU Braunschweig, IGS

Warme Hülle auch von unten: Dämmung der Fundamentbalken.

© TU Braunschweig, IGS

Rohrsysteme für Betonkernaktivierung: Die vorgefertigten Matten werden auf den Filigranplatten der Betondecke installiert.

© TU Braunschweig, IGS

Energiekonzept

Das Energiekonzept umfasst die wesentlichen Aspekte zur Erreichung einer guten Energieeffienz: ein kompakter Baukörper (A/V = 0,3), gute Wärmedämmung (Wände mit 160mm WLG 035 Mineralfaser), gute Fenster (U = 1,2 W/(m2K) und gute Luftdichtheit (n50 < 1,5).

Die Räume werden über statische Heizkörper beheizt und können im Sommer über eine Betonkernativierung gekühlt werden. Lüftungsanlagen mit hocheffizienter Wärme- und Feuchterückgewinnung versorgen den Mehrzwecksaal und die Sanitärräume. Das Gebäude wird Fernwärme geheizt. Die Kälteversorgung erfolgt über ein Erdsondenfeld von 12 x 70 m Sondenlänge. Eine Kältemaschine ist nur als Redundanz vorgesehen. Die Sonden werden im Winter außerdem zur Vorheizung der Außenluft in der Lüftungsanlage des Saals genutzt. Dadurch werden die Sonden im Winter zusätzlich gekühlt, so dass im folgenden Sommer ein größeres Kältepotenzial zur Verfügung steht. Das Gebäude wird mit einer Gebäudeleittechnik und einem umfassenden Messkonzept ausgestattet und kann online überwacht werden.

Schema Energiekonzept im Sommer.

Schema Energiekonzept im Sommer.

© TU Braunschweig, IGS
Schema Energiekonzept im Winter.

Schema Energiekonzept im Winter.

© TU Braunschweig, IGS

Rotationswärmetauscher Fabrikat AL-KO Therm zur Wärme- und Feuchterückgewinnung.

© TU Braunschweig, IGS

Performance

Auf Basis der Messdaten des Jahres 2007 und 2008 wurde der Jahresenergieverbrauch im Betrieb errechnet. Das Regionshaus hat die energetischen Zielwerte nicht nur erreicht, sondern bereits im ersten Betriebsjahr deutlich unterschritten.

Der Primärenergieverbrauch für den Betrieb lag mit knapp 80 kWh/m2a (nach EnEV, Primärenergie, NGF) um 20% unter dem Zielwert von 100 kWh/m2a (EnEV, Primärenergie, NGF).

Der gesamte Primärenergieverbrauch des Gebäudes lag bei knapp 125 kWh/m2a, wobei die größte Verbrauchergruppe die elektrischen Bürogeräte mit fast 30 kWh/m2a (Primärenergie, NGF) waren.

Optimierungsmaßnahmen und –möglichkeiten

Den Nutzern im Regionshaus steht ein Service-Portal im Intranet der Region Hannover zur Verfügung, das IGS mit der ATD GmbH Braunschweig entwickelt hat. Über das Portal können alle Mitarbeiter der Region Wünsche und Beschwerden an das Gebäudemanagement senden. Die Vorgänge werden dort zentral bearbeitet und u. a. für die Arbeitsplanung des eigenen Personals sowie die Koordination von Fremdfirmen genutzt. Die Nutzer können den Status ihrer aktuellen Vorgänge jederzeit einsehen. Darüber hinaus hat das IGS ein Nutzerhandbuch erstellt, das an alle Mitarbeiter verteilt wurde, um besser über das Energiekonzept zu informieren.

Im weiteren Projektverlauf sind u. a. die Inbetriebnahme der Erdsondenanlage im Sommer und detaillierte Analysen der Betriebsführung geplant.

Baukosten- und Wirtschaftlichkeit

Das Planungsverfahren unterliegt den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Prüfung der Wirtschaftlichkeit: Es darf nur gebaut werden, wenn die Baukosten im PPP-Verfahren die Kostenschätzung nicht überschreiten. Der EnOB-Standard wird also mit Kostengarantie erreicht! Die unten in der Kostentabelle genannten Zahlen sind Bauwerkskosten gemäß dem Pauschalfestpreis im PPP-Verfahren.

Auszeichnungen

Dem Gebäude wurde das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (Zertifikat in Gold) der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) verliehen.

Projektkenndaten

Gebäudekenndaten

Bauherr, Betreiber, Nutzer Region Hannover, Haus der Regionen, 30169 Hannover
Investor CommerzLeasing und Immobilien AG
   
Gebäudetyp Nichtwohngebäude in massiver Stahlbetonkonstruktion
Baujahr des Gebäudes 2007
Planungsbeginn 2004
Fertigstellung 03.2007
Inbetriebnahme 04.2007
   
Flächengrößen/Maße  
Bruttogrundfläche (nach DIN 277) 8.441 m²
Beheizte Nettogrundfläche (für Nichtwohngebäude, in Anlehnung an DIN 277) 7.134 m²
Bruttorauminhalt 28.911 m³
Arbeitsplätze (oder Schüler oder vergleichbare Personenangaben) 300 Personen
Nutzfläche AN (nach EnEV) 5.399 m²
Hauptnutzfläche 3.599 m²
A/V-Verhältnis 0,30 m²/m³

Energiekenndaten

Energiekennwerte Bedarf  
Energiekennwerte nach EnEV, d.h. nach DIN 4108-6 bzw. DIN 18599 berechnet. Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Nettogrundfläche nach DIN 277.  
Neubau
Heizwärmebedarf (Nutzenergiebedarf Wärme) 34,80 kWh/m²a
Primärenergie Fernwärme 46,00 kWh/m²a
Primärenergie Gesamt 93,00 kWh/m²a
   
Energiekennwerte Verbrauch  
Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Wohnfläche (Wohngebäude) bzw. die beheizte NGF für Nichtwohngebäude. Primärenergiefaktoren nach DIN 4701-10.  
Neubau
Primärenergie Fernwärme 2008 30,8 kWh/m²a
Primärenergie Gesamt 2008 82,1 kWh/m²a

Kostenkenndaten

Baukosten  
Kosten netto nach DIN 276 bezogen auf die Bruttogrundfläche (BGF) nach DIN 277  
Kosten für die (Sanierung der) Baukonstruktion [KG 300] 762 EUR/m²
Kosten für die (Sanierung der) Technischen Anlagen [KG 400] 282 EUR/m²
Es handelt sich um eine Kostenfeststellung  

Letzte Aktualisierung: 26. Dezember 2013

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