Menü
Kurztitel: EnoB, Demo: Neubau Kreisverwaltung Eberswalde ENOB-ENBAU: Monitoring des Verwaltungszentrums in Eberswalde
Förderkennzeichen: 0335007V, 0335007W
Status: Abgeschlossen
Laufzeit: 07/2004 bis 01/2011
Themen: Neubau von Einzelgebäuden, Heizen, Lüften, Kühlen, Tageslicht & Beleuchtung, Gebäudebetrieb & Gebäudeautomation, Neue Materialien, Betriebsführung & Energiemanagement, Wärme aus Erdreich, Grundwasser, Abwasser
Standort: Rudolf-Breitscheid-Str. 36, 16225 Eberswalde
Innovation: Gründüngspfähle mit Absorberregistern entziehen im Winter dem Erdreich Wärme und dienen im Sommer als Kältequelle. Thermisch aktivierte Betonspeichermassen unterstützen angenehme Raumtemperaturen.
Schlagworte:
PCM

Quintessenz

  • Gründungspfähle mit Absorbern dienen als Wärme- und Kältequelle
  • Beleuchtung wird tageslicht– und präsensabhängig geregelt
  • Wärmepumpen nutzen bis zu einer Außentemperatur von 8° C  als Wärmequelle Außenluft, bei geringeren Temperaturen das Erdreich
  • Wärmeschutz zwischen außenliegendem Sonnenschutz und Fenstersturz verbessert durch Vakuumisolationspaneele
  • Gewünschte Raumlufttemperatur lag mit 23° C über den Planwerten
  • Eines der ersten Gebäude mit einer DGNB-Zertifizierung in Gold

Der Neubau des Dienstleistungs- und Verwaltungszentrums Barnim besteht aus vier kompakten drei- bis viergeschossigen Blöcken mit glasüberdachten Innenhöfen. Ein ausgeklügeltes Tages- und Kunstlichtkonzept ermöglicht eine energieeffiziente Beleuchtung. Das Energiekonzept sieht acht verschiedene Betriebsarten zum Heizen oder Kühlen vor. Diese hängen davon ab, ob als Wärmequelle Erdreich oder Luft dient oder ob mit Wärmepumpe/Kältemaschine oder mit Direktkühlung bzw. im Regenerationsbetrieb gearbeitet wird. Latentwärme-Speichermaterialien in der Decke sorgen im Zusammenspiel mit der Lüftungsanlage, der Nachtlüftung über automatisch sich öffnende Fenster und einem außenliegenden Sonnenschutz für angenehme Raumtemperaturen.

Projektkontext

Der Landkreis Barnim erhielt in seiner Kreisstadt Eberswalde ein neues Gebäude für die Kreisverwaltung und den Landrat des Landkreises Barnim. Das Gebäudeensemble beherbergt seit seiner Fertigstellung auf 15.000 Quadratmetern rund 500 Arbeitsplätze der Kreisverwaltung. Zuvor waren die Mitarbeiter auf acht verschiedene Standorte verteilt.

Der Neubau des Dienstleistungs- und Verwaltungszentrums Barnim schließt eine über einen Hektar große, im Krieg entstandene Lücke inmitten der historischen Altstadt von Eberswalde. Das Neubauensemble heißt "Paul-Wunderlich-Haus" und beherbergt neben der Kreisverwaltung und dem Sitz des Landrates mit einem Plenarsaal auch Flächen für Handel und Gewerbe sowie ein kleines Museum mit Werken des Künstlers Paul Wunderlich. Das fehlende „Stück Stadt“ wird durch vier kompakte 3- bis 4- geschossige Baukörper ergänzt, die sich in Form und Maßstab in die bestehende Stadtstruktur einfügen. Die Bezüge im Stadtraum werden wieder hergestellt und die wichtigen öffentlichen Gebäude neu vernetzt. Die Forderung nach einem energieeffizienten Gebäude war Bestandteil der europaweiten Ausschreibung des Architektenwettbewerbes. Sie führte bereits zu einem frühen Zeitpunkt zur Beauftragung eines breit gefächerten Planungsteams unter Führung des Architekten als Generalplaner. Unter Beachtung der architektonischen, städtebaulichen und nutzungsdefinierten Randbedingungen wurden Gebäudeform, Verglasung, Sonnenschutz, Fassaden und Speichermassen so konzipiert, dass mit einem geringen Energieaufwand ein hoher Nutzungskomfort realisierbar ist. Hierzu gehören eine hohe Raum- und Nutzungsqualität des öffentlichen Raumes genauso wie ein ausgeklügeltes Tages- und Kunstlichtkonzept.

Große Resonanz bei Eröffnung des Gebäudekomplexes am 1. Juli 2007 durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel.

© Günther Löhnert, solidar planungswerkstatt

Stadt in der Stadt: Der neue Gebäudekomplex öffnet sich.

© GAP mbH. Foto: Marco Maria Dresen

Facettenreiche Fassaden: So zeigt sich der Gebäudekomplex dem Kirchplatz

© GAP mbH. Foto: Marco Maria Dresen

Forschungsfokus

Neben den obligatorischen Messungen der Energieverbräuche und der Ermittlung von Energiekennzahlen wurden die Erdreichtemperaturen im genutzten und ungenutzten Bereich untersucht, die thermische Behaglichkeit ermittelt sowie die Beleuchtungsstärken und Leuchtdichten detailliert erfasst. Außerdem wurde der Einfluss der neuartigen Latentwärmespeicherdecke genauer untersucht.

Konzept

Gebäudekonzept

Das neue Kreishaus soll effektive Verwaltungsabläufe und einen bürgerfreundlichen Service ermöglichen. Jedes Dezernat hat ein eigenes Gebäude mit einem begrünten Innenhof. Die einzelnen Dezernate werden über die Treppen- und Aufzugsanlagen in den Torhäusern erschlossen. Die überwiegend als Kombibüros organisierten Leistungsbereiche sind offen um die Innenhöfe herum organisiert. Gemeinsame Mitte der Leistungsbereiche der Dezernate sind die begrünten Höfe, die dem Haus eine entspannende Atmosphäre verleihen.

Der Pavillonplatz bildet als gemeinsame Mitte der Dezernate die Kombizone des Kreishauses. Hier können sich die Menschen treffen, die im Kreishaus arbeiten sowie die Nutzer der Kreisverwaltung und der Dienstleistungen. Neben dem Landratsgebäude bietet auch der Pavillonplatz Ausstellungsflächen für Kunstwerke des aus Eberswalde stammenden Künstlers Paul Wunderlich, der dem Haus seinen Namen gibt.

Eine möglichst geringe Hüllfläche, kurze innere Wege, grüne Höfe als atmosphärische Frischluftgeneratoren und ein schlankes Gebäudeklimakonzept waren die zentralen Energieeffizienz-Ansätze bei der Planung. Dabei hat jedes Gebäude ein eigenes Gesicht und eine eigene Infrastruktur, es kann eine eigene Adresse und einen eigenen Eingang haben, d. h. Teile der Anlage sind gut anderweitig verwertbar.

Abbildungen zum Gebäude

Das Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum ist im Bau. Aufnahme vom April 2006.

© GAP mbH

Skizze und Grundriss Erdgeschosse des neuen Dienstleistungs- und Verwaltungszentrums Barnim in Eberswalde.

© GAP mbH

Fassadenbau des Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum Barnim in Holztafelbauweise

© GAP mbH

Fassadendetail am Gebäude des Dezernats II.

© GAP mbH

Büroflure im Bau.

© GAP mbH

Bürolandschaft mit unterschiedlichem Farbkonzept

© GAP mbH. Foto: Marco Maria Dresen

Energiekonzept

Die wesentlichen Punkte, die zu dem niedrigen Energieverbrauch beitragen, sind zum einen gut gedämmte Fassadenelemente aus Holz mit Zellulosedämmung und Dreischeiben-Wärmeschutzverglasungen. Ein ausgeklügeltes Tages- und Kunstlichtkonzept mit einer hohen Transparenz zu innen liegenden Kombizonen ermöglicht eine energieeffiziente Beleuchtung. Zum anderen liegen nutzerseitig nur sehr niedrige EDV-bedingte interne thermische Lasten an.

Die gründungstechnisch notwendigen Bohrpfähle werden mit Absorberregistern belegt, die dem Erdreich Wärme zum Heizen des Gebäudes entnehmen, das wiederum im Sommer gekühlt wird, indem Wärme aus der Gebäudemasse an das Erdreich abgegeben wird. Im Gebäude entstandene Abwärme wird dem Gebäude über Lüftungsanlagen mit einem Wärmebereitstellungsgrad von bis zu 80% wieder zugeführt.

Die Förderung im Rahmen der Forschungsinitiative EnOB ermöglichte die Einschaltung aller für die Energieeffizienz notwendigen Fachplaner zu einem frühen Zeitpunkt und die Durchführung von Simulationen, die über den üblichen Planungsaufwand hinausgehen. In gleichem Umfang wurde der Einsatz von innovativen Technologien wie Vakuum-Isolationspaneele (VIP) und Latentwärmespeicher (PCM) sowie die Entwicklung einer energieeffizienten Stehleuchte mit innovativem Regelungsmanagement gefördert.

Die Fußbodenheizung im Bürotrakt wird verlegt. August 2006.

© G. Löhnert

Weitere Abbildungen zum Energiekonzept

Mögliche Schaltzustände der Heizung, die je nach Anforderung und Temperatur der Energiequelle gewählt werden.

© BTU Cottbus-Senftenberg

Temperaturen im thermisch genutzten Erdreich nahe eines Energiepfahls

© BTU Cottbus-Senftenberg

Zwischendecke mit PCM-Beuteln zum Puffern von Temperaturspitzen

© BTU Cottbus-Senftenberg

Leuchtdichten hinter einer Südfassade, mittags im Winter bei Sonnenschein, mit und ohne innen liegendem Scheibenblendschutz

© BTU Cottbus-Senftenberg

Performance

Als Ergebnis wurde ein Endenergieverbrauch von 23,5 kWh/m2a elektrischer Energie für Heizen (witterungsbereinigt), Kühlen, Lüften und HKS Antriebe und ein Primärenergieverbrauch von 70,6 kWh/m2a (bei PE-Faktor = 3) erzielt. Diese Werte gelten als Mittelwert der drei Messjahre 2008-2010 und beziehen sich auf den Gebäudeteil D. Unter Einbezug der elektrischen Beleuchtung liegt der Primärenergieverbrauch bei ca. 100 kWh/m2a (PE-Faktor = 3). Aufgrund der im Messzeitraum stetig kälter gewordenen Winter und der damit verbundenen Auskühlung der Wärmequellen Erdreich und Luft sinkt die Leistungszahl COP der Wärmepumpen von 3,1 in 2008 stetig auf 2,9 in 2010. Für den weitaus größten Teil der Arbeitszeit stehen thermisch und visuell sehr komfortable Bedingungen zur Verfügung.

Optimierungsmaßnahmen und -möglichkeiten

Das Gebäude verfügt über acht verschiedene Betriebsarten, je nachdem ob Erdreich oder Luft als Wärmequelle zum Heizen oder Kühlen verwendet werden und ob mit Wärmepumpe/Kältemaschine oder mit Direktkühlung bzw. im Regenerationsbetrieb gearbeitet wird. Die sinnvolle Nutzung dieser Betriebsarten, die Einstellung von Tages- und Wochenprogrammen und die Nutzung der Nachtlüftung waren Gegenstand der laufenden Optimierung. Die von den Nutzern gewünschte Raumtemperatur lag im Winter mit 23°C deutlich über der Plantemperatur von 20°C. Unzulänglichkeiten im Wärmeverteilsystem durch unterschiedlich lange Leitungswege, zu kleine Radiatoren und einer nur teilweise realisierten Fußbodenheizung führten zu Temperaturunterschieden zwischen den Bereichen, teilweise hohen Zuluftströmen und im Winter zu trockener Luft. Eine Vergrößerung der Radiatorflächen und die winterliche Luftbefeuchtung waren vorgeschlagene Maßnahmen zur weiteren Optimierung.

Wirtschaftlichkeit

Das zur Verfügung stehende Budget des Bauherrn war bereits im Wettbewerb klar vorgegeben und die Einhaltung dort bereits nachzuweisen. Bei einem im ständigen politischen Fokus stehenden Projekt im Stadtzentrum einer kleinen Stadt wie Eberswalde stand die Einhaltung des Budgets während des gesamten Planungs- und Bauprozesses im Vordergrund. Die spezifischen Baukosten konnten über den gesamten Planungszeitraum entsprechend der Budgetvorgabe trotz mehrfacher Änderungswünsche seitens des Bauherrn eingehalten werden.

Die Verpflichtung, die Bauleitungen öffentlich auszuschreiben, und die Teilung der Arbeiten in kleinere Lose ermöglichte die Vergabe an qualitativ hochstehende aber kostengünstige Baufirmen. Bei Baukosten von unter 1.300 € brutto je m² NGF wurde ein architektonisch anspruchsvolles Gebäude mit sehr hohem Qualitäts- und Komfortniveau und einer hochwertigen technischen Ausstattung hergestellt.

Auszeichnungen

Dem Gebäude wurden zwei Zertifikate der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) verliehen: ein GOLD Zertifikat in der Kategorie Neubau mit einem Erfüllungsgrad von 89,5% und ein GOLD Zertifikat in der Kategorie Bestandsgebäude mit einem Erfüllungsgrad von 90,9%. Darüber hinaus wurde das Projekt als „vorbildlicher Betreiber“ in der Pilotanwendung „BNB Nutzen und Bewirtschaften“ des Zertifizierungssystems des Bundes und mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet.

Projektkenndaten

Gebäudekenndaten

Bauherr, Investor, Betreiber, Nutzer Landkreis Barnim
   
Baujahr des Gebäudes 2007
Planungsbeginn 2004
Fertigstellung 06.2007
Inbetriebnahme 07.2007
   
Flächengrößen/Maße  
Bruttogrundfläche (nach DIN 277) 22.218 m²
Beheizte Nettogrundfläche (für Nichtwohngebäude, in Anlehnung an DIN 277) 17.131 m²
Bruttorauminhalt 69.109 m³
Nutzfläche AN (nach EnEV) 12.435 m²
A/V-Verhältnis 0,3 m²/m³

Energiekenndaten

Energiekennwerte Bedarf  
Energiekennwerte nach EnEV, d.h. nach DIN 4108-6 bzw. DIN 18599 berechnet. Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Nettogrundfläche nach DIN 277.  
   
Neubau
Primärenergie Wärme 18,00 kWh/m²a
Primärenergie Gesamt 93,00 kWh/m²a
   
Energiekennwerte Verbrauch in 2008  
Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Wohnfläche (Wohngebäude) bzw. die beheizte NGF für Nichtwohngebäude. Primärenergiefaktoren nach DIN 4701-10.  
   
Neubau
Endenergie Strom gesamt 56,00 kWh/m²a
Primärenergie Wärme 34,6 kWh/m²a
Primärenergie Gesamt (ohne WW) 99,00 kWh/m²a
   
weitere spezifische Verbrauchsdaten für Beleuchtung, Klima, Lüftung etc.  
   
Neubau
Strom für RLT-Anlagen (Primärenergiekennzahl PE) 21,60 kWh/m²a
Strom für Kunstlicht (PE) 30,30 kWh/m²a
HKLS Antriebsenergie (PE) 10,10 kWh/m²a

Kostenkenndaten

Baukosten  
Kosten netto nach DIN 276 bezogen auf die Bruttogrundfläche (BGF) nach DIN 277  
Kosten für die Baukonstruktion [KG 300] 849 EUR/m²
Kosten für die Technischen Anlagen [KG 400] 413 EUR/m²
Es handelt sich um eine Kostenfeststellung  

Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2009

Thematisch verwandte Publikationen

Thematisch verwandte Projekte