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Welche Stolpersteine müssen aus dem Weg geräumt werden, damit im Gebäudesektor die für 2050 angestrebte Reduktion des Primärenergieverbrauchs noch erreicht werden kann? Dazu trafen sich letzten Freitag in Frankfurt rund 30 Wissenschaftler und Fachleute aus Kommunen, Immobilienwirtschaft, Gebäude- und Stadtplanung aber auch aus Forschung und Politik. Mit dem Experten-Workshop „Energieeffizienz und kostensparendes Bauen – ein Widerspruch?“ sollte geklärt werden, was diese Akteure dafür tun können.

Aktuelle Analysen stufen die bis 2050 angestrebte Reduktion des Primärenergiebedarfs um 80% im Vergleich zum Referenzwert von 2008 als unwahrscheinlich ein. Ohne weitere Anstrengungen sind Einsparungen von 40% zu erwarten.

Um die nationalen Ziele der Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG) zu erreichen, gilt es, einige wesentliche Hemmnisse zu überwinden. Denn Ziel muss es sein, Gebäude häufiger mit Blick auf die langfristigen Einsparziele zu bauen oder zu sanieren, ohne dass die Kosten unverhältnismäßig ansteigen. Der Workshop sollte daher Ansätze identifizieren, wie energieoptimiert und zugleich kosteneffizient gebaut und saniert werden kann.

Handlungsempfehlungen für Konzepte und Rahmenbedingungen

Veranstalter war die wissenschaftliche Begleitforschung der Forschungsinitiative ENERGIEWENDEBAUEN. Das Team unter der Leitung von Prof. Dirk Müller, RWTH Aachen University, analysiert die vielen Technologieforschungs- und Modellprojekte im Forschungsbereich „Energie in Gebäuden und Quartieren“ und will mit allen Akteuren Möglichkeiten ausloten, wie erfolgreiche Forschungsansätze schneller in die Praxis überführt werden können. Es sollten weniger die bekannten Hemmnisse aufgezeigt, als vielmehr mögliche Handlungsempfehlungen für zukünftige Bau- und Sanierungskonzepte und für die notwendigen Rahmenbedingungen in Forschung und Politik abgeleitet werden.

Nach zwei Impulsvorträgen von Dr.-Ing. Ingrid Vogler vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und Prof. Viktor Grinewitschus von der EBZ Business School in Bochum gab es intensive Diskussionen zu möglichen Ansätzen für mehr energieoptimierte und zugleich kosteneffiziente Neubauten und Gebäudesanierungen.

Handlungsansätze für mehr Kosteneffizienz

Es gab viele unterschiedliche Diskussionsbeiträge. Dabei wurden einige Gemeinsamkeiten unter den Teilnehmern deutlich:

  • CO2–Emissionen sollten zur entscheidenden, die Planung lenkende und den Erfolg bewertende Größe werden.
  • Das Quartier – nicht das Einzelgebäude – ist dabei als entscheidende System- und Bilanzgrenze heranzuziehen.
  • Anstelle der initialen Bau-, Sanierungs- oder Investitionskosten sollten die gesamten Kosten über den ganzen Lebenszyklus von Gebäuden bzw. Energiesystemen betrachtet und bilanziert werden.
  • Die Ziele Komfort, Energieeffizienz und Klimaneutralität sind gleichermaßen in den Blick zu nehmen.
  • Gesetzgeber oder Förderinstitutionen können für Bau- und Sanierungsprojekte durchaus Benchmarks für Energieeffizienz oder Klimagas-Emissionen setzen. Das sollte jedoch nicht über bauteil- oder technologiebezogene Vorgaben erfolgen.
  • Neue und sanierte Gebäude benötigen ein Energieeffizienz-Monitoring, weil entscheidend ist, welche Ergebnisse im realen Betrieb tatsächlich erreicht werden.
  • Generell sehen die Teilnehmer den Digitalisierungstrend als Chance für die Planung und den Betrieb energieoptimierter Gebäude.

Kontroverse Positionen bei einigen Themen

In der Diskussion wurden auch einige kontroverse Positionen erkennbar, beispielsweise:

  • Soll die Sanierung schrittweise erfolgen – bei allen Einzelmaßnahmen jeweils mit Blick auf die Zielsetzungen für 2050 – oder sollen Sanierungskonzepte nicht besser in einem Schritt umgesetzt werden?
  • Hat eine thermisch optimierte Gebäudehülle Priorität? Oder wird die sich abzeichnende Innovationsdynamik bei Gebäudeenergietechnik und Energiesystemen nicht vielmehr auch klimaneutrale Gebäude ohne extrem verbesserten Wärmeschutz möglich machen?
  • Welche Bedeutung hat die EnEV für die Kosteneffizienz energieoptimierter Gebäude? Sind die durchaus komplexen energetischen Anforderungen und die zugrunde liegenden Rechenverfahren geeignet, um kostenoptimale Ergebnisse für Gebäude und Quartiere zu erreichen?
  • Hightech oder Lowtech? Sind Gebäude mit weniger Technik – bei gleichem Energieverbrauch – insgesamt im Kostenvorteil?
  • Ist eine erfolgsabhängige Vergütung von Planungs- und Bauleistungen umsetzbar und zweckdienlich?

In Kürze wird auf dieser Webseite ein ausführlicher Veranstaltungsbericht mit Ergebnisdokumentation erscheinen.

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Letzte Aktualisierung: 25. September 2017

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